Innen – Außen – Quer : Die Erfindung der Parallelprojektion und ihre Rezeption im Album des Villard de Honnecourt
Dieser Artikel untersucht zwei außergewöhnliche Zeichnungen aus dem sogenannten Album von Villard de Honnecourt (um 1225) – eine Ansicht mit Innen- und Außenansichten des Chorschiffs der Kathedrale von Reims sowie einen Querschnitt ihres Strebepfeiler-Systems – als die frühesten bekannten Beispiele komplexer Architektur, die in paralleler Projektion (orthogonale Zeichnung) dargestellt wurden. Anstatt diese Zeichnungen als fehlerhafte Aufzeichnungen vor Ort oder maßstabsgetreue Kopien von Bauplänen zu betrachten, argumentiert der Autor, dass es sich um Entwurfsskizzen handelt, die in der Werkstatt der Kathedrale angefertigt wurden, um die räumlichen Beziehungen zwischen der Gliederung der Innenwände, dem Gewölbesystem und den Außenstützen zu verdeutlichen; Beziehungen, die weder perspektivische Skizzen noch direkte Beobachtung angemessen wiedergeben konnten. Der Artikel verortet die Erfindung dieser zweidimensionalen Zeichnungskonvention im Kontext der strukturellen Komplexität der Hochgotik, legt nahe, dass sie wahrscheinlich im späten 12. Jahrhundert in der Île-de-France entstand, und zeichnet ihre Bedeutung als Wendepunkt im architektonischen Denken, in der beruflichen Praxis und letztlich für die Herausbildung des Architekten als eigenständigen Berufs nach.
This article examines two exceptional drawings in the so-called Album of Villard de Honnecourt (c. 1225) – an elevation with interior and exterior views of Reims Cathedral's nave choir, and a cross-section of its flying buttress system – as the earliest known examples of complex architecture rendered in parallel projection (orthographic drawing). Rather than treating these drawings as flawed on-site records or scaled copies of construction plans, the author argues they are design sketches produced within the cathedral workshop to clarify the spatial relationships between interior wall articulation, the vaulting system, and the exterior buttressing; relationships that neither perspectival sketches nor direct observation could adequately convey. The article situates the invention of this two-dimensional drawing convention in the context of High Gothic structural complexity, suggesting it likely emerged in the late twelfth century in the Île-de-France, and traces its significance as a turning point in architectural thinking, professional practice, and ultimately the emergence of the architect as a distinct profession.
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Von Goldemail bis Stahlbeton
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