König Pippin der Jüngere stiftet der Abtei Prüm eine römische Marmorschale aus dem Trierer Dom

Die ältere Lebensbeschreibung des Heiligen Goar, die um 765 verfasst wurde, berichtet, dass Goar – der angeblich zwischen 525 und 575 ein Pilgerhospiz am Mittelrhein betrieb – im Trierer Dom auf ein Marmorbecken stieß, in das ausgesetzte Säuglinge abgelegt werden konnten. Die jüngere Lebensbeschreibung des Heiligen, verfasst im Jahr 839, fügt hinzu, dass König Pippin der Jüngere das Becken entfernen ließ und vor dem Refektorium der Abtei von Prüm aufstellen ließ, die er 752/763 gegründet hatte. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass der Bericht hinsichtlich der Anfänge der bischöflichen Wohltätigkeit überraschend genau ist und Aufschluss über die sich entwickelnde Fürsorge für Waisen und Findelkinder gibt, die durch die Beamten der Armenregister verwaltet wurde. Auch der Standort des Beckens vor der nordwestlichen Basilika des Trierer Doms lässt sich bestimmen. Jüngste Forschungen haben die außergewöhnliche Verwendung von Marmor in den römischen Bauten Triers, einschließlich des Doms selbst, hervorgehoben, was es sehr wahrscheinlich macht, dass es sich bei dem Becken um spätrömische Spolia handelte, was auch die hohe Wertschätzung erklären würde, die König Pippin ihm entgegenbrachte. Eine Untersuchung der mit Marmor und Mosaiken geschmückten St.-Gereon-Kirche in Köln rundet das Bild ab. So lässt sich ein Netzwerk politischer und kirchlicher Beziehungen zwischen Trier, Köln, Sankt Goar und Prüm erkennen. Ergänzt wird die Studie durch Belege für eine Schatzkammer und ein Taufbecken im Trierer Dom im sechsten Jahrhundert.

The older Life of Saint Goar, composed around 765, recounts that Goar – said to have run a pilgrims' hospice on the Middle Rhine between 525 and 575 – encountered a marble basin at Trier Cathedral in which abandoned infants could be deposited. The younger Life of the saint, written in 839, adds that King Pippin the Younger had the basin removed and installed in front of the refectory of the abbey of Prüm, which he founded in 752/763. Closer examination reveals that the account is surprisingly accurate regarding the beginnings of episcopal charity and illuminates the emerging care for orphans and foundlings administered through the officials of the poor relief registers. The location of the basin before the northwest basilica of Trier Cathedral can also be established. Recent research has highlighted the extraordinary use of marble in Trier's Roman buildings, including the cathedral itself, making it highly probable that the basin was a late Roman spolia, which would also explain the high regard in which King Pippin held it. A survey of the marble- and mosaic-adorned church of St Gereon in Cologne rounds out the picture. A network of political and ecclesiastical relationships linking Trier, Cologne, Saint Goar, and Prüm can thus be identified. The study is complemented by evidence for a treasury and a baptismal font in Trier Cathedral in the sixth century.

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