Das Schleswig-Holstein Querungshilfen-Monitoring : Erfolgsbewertung und Konsequenzen

Von 2019 bis 2024 wurde die Nutzung der sechs großen, vor dem Jahr 2018 fertiggestellten Querungshilfen Schleswig-Holsteins (fünf Grünbrücken, eine Unterführung) und deren Eignung im Sinne eines Standardwirkungsmonitorings (Hänel & Reck 2013) und entsprechend des Leitfadens der BASt (2014) untersucht. Die gewählte Methode ist für die Bewertung der Funktionsfähigkeit ausreichend und kann noch weiter vereinfacht werden; dazu sind Vorschläge entwickelt. Außerdem eignen sich einzelne Bauwerke im Rahmen eines erkenntnisorientierten Monitorings zur Klärung der Fragen, inwieweit Freiflächenphotovoltaikanlagen im Umfeld von Querungshilfen Wildmobilität beeinflussen, ob eine für heliophile Arten kritisch kleine Unterführung durch eine optimale Pflege des Zugangsbereichs funktionstüchtig gemacht werden kann und wie stark die Querungshilfennutzung durch Insekten durch die Integration von Autobahnbegleitgrün als Lebensraumkorridor verbessert bzw. ob der Biotopverbund dadurch über eine Länge von mehr als 500 m erheblich unterstützt werden kann. Die Monitoringergebnisse an den sechs Querungshilfen bestätigen, dass nur die Zusammenschau repräsentativ ausgewählter Artengruppen (Repräsentanz verschiedener Gilden) in Verbindung mit einer Biotoptypenkartierung ausreichend zeigen kann, ob Zerschneidungswirkungen genügend gemindert werden. Derzeit funktionieren die untersuchten Grünbrücken mit Ausnahme der Brücke bei Brokenlande für die gesamte, örtlich von Zerschneidung betroffene Biologische Vielfalt oder sie sind gut geeignet. Die Einschränkungen bei der Grünbrücke Brokenlande betreffen die Umfeldgestaltung und die Hinterlandanbindung. Außerdem behindert an der Grünbrücke Kiebitzholm eine schmale, verbliebene Gehölzbarriere den dort besonders wichtigen überörtlichen Verbund der Heideökosysteme des Hinterlands. Die Unterführung bei Stolpe wird, v. a. dimensionsbedingt, von helio- und xerophilen Kleintieren aktuell nicht ausreichend genutzt und es ist nicht sicher prognostizierbar, ob durch eine weitere Optimierung der Lebensräume im Zugangsbereich eine genügende Verbesserung möglich ist. Die weitere Sicherung der Funktionsfähigkeit der Bauwerke obliegt den zuständigen Straßenbetreibern, die lokal auch vom Landesforst und z. T. von Ehrenamtlichen unterstützt werden – aber weder die Lebensraumdynamik ist ausreichend prognostizierbar noch ist die dauerhafte  Funktionsfähigkeit des o. g. Zuständigkeitsnetzwerks gesichert. Die Funktion der Bauwerke und möglichst auch des Umfelds für die nachhaltig wirksame Vernetzung der Lebensräume muss also periodisch überwacht werden, damit ungünstigen Entwicklungen ggf. entgegengewirkt werden kann. Verbliebene aktuelle und auch für andere Querungshilfen typische Defizite im engeren Umfeld der Bauwerke sind nachfolgend aufgelistet:

• Bei der Herstellung v. a. der Zugangsbereiche wurde zu oft nährstoffreiches Substrat verwendet und z. T. wurden Obergräser eingesät. Beides erschwert eine nachhaltige Verbundfunktion für z. B. gefährdete Heide- und Magerrasenarten und zukünftig ist deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit eine stärkere, gezielte Pflege für die Offenlandbereiche unumgänglich.
• Z. T. wurden unbeabsichtigt invasive Pflanzenarten eingebracht und in einem Fall absichtlich Robinien. Bei einer Ausbreitung dieser Arten kann die Lebensraumfunktion und damit wiederum die Verbundfunktion für Tierarten gefährdet sein – die Entwicklung muss also beobachtet werden und die Robinien müssen weiterhin bekämpft werden.
• Z. T. werden Trittsteinbiotope im Umfeld, die essenziell für die Verbundfunktion sind, nicht erhalten und bei Kiebitzholm muss die Hinterlandanbindung noch (auf kleiner Fläche) verbessert werden. 
• Bei Brokenlande ist der Rastplatz zu nahe bzw. (noch) nicht ausreichend abgeschirmt und entsprechend beeinträchtigen Störungen und Abfälle die Funktion. Die Abfälle ernähren so viele Ratten, dass sie andere Arten von der Querungshilfennutzung abhalten können. Außerdem gibt es dort im westlichen Hinterland zu viele unüberwindbare Zäune.

Aktuelle Defizite in Bezug auf das weitere Umfeld und das Hinterland: 
• Die übergeordneten jagdlichen Regelungen verhindern z. T. die Nutzung durch Hirsche – aber Hirschmobilität (Großsäugermobilität) wird dringend
gebraucht, unter anderem, weil die Großtiere Pflanzensamen und Kleintiere transportieren (nach dem Wegfall der Transhumanz sind wildlebende Großherbivore essenzielle Vektoren). Außerdem erleiden Rothirsche in Schleswig-Holstein jagdpolitisch bedingte Inzuchtdepression.
• An einer Stelle kommen gezäunte PV-Anlagen kritisch nahe an die Querungshilfe und könnten Tieren den Weg versperren und z. T. sind weitere PV-Anlagen im Umfeld der bislang frei zugänglichen Querungshilfen geplant.
• Die ökologische Anbindung, d. h. die weiträumige Anbindung besonders schutzbedürftiger Lebensräume und Populationen an die Querungshilfen, funktioniert nicht ausreichend gut; hier muss besonders in den Biotopverbund investiert werden (d. h. Flächenkauf und Flächenaufwertung mit einer Zweckbindung für ökologische Vernetzung), weil an einer Querungshilfe, anders als sonst im Biotopverbund, die gewollte Verbundfunktion auf wenige Meter konzentriert ist. 

Um Gestaltungs- und Managementdefiziten von vornherein entgegenzuwirken, werden Indikatoren für die Planung und zielführende Untersuchungen zur Verbesserung von Wirkungsprognosen (prognostisches Monitoring) vorgeschlagen.

From 2019 to 2024, the use of Schleswig-Holstein's large fauna passages completed before 2018 (five green bridges, one underpass) and their suitability in Terms of standard impact monitoring (Hänel & Reck 2013) and in accordance with the BASt guidelines (2014) was evaluated. The chosen method is sufficient for assessing functionality and can be simplified further; proposals have been developed to this end. In addition, individual passages are suitable to clarify the extent to which photovoltaic plants in the passage vicinity influence wildlife mobility, whether a critically small underpass can be made functional through optimal maintenance of the access area, and to what extent the use of passages by insects can be improved by integrating motorway verges as habitat corridors, and whether this can significantly support the biotope network over a length of more than 500 m. The monitoring results confirm that only a comprehensive overview of representative species groups (representing different guilds) in conjunction with biotope type mapping can sufficiently show whether fragmentation effects are being adequately mitigated. With the exception of the bridge at Brokenlande, the green bridges examined currently function well for the entire biological diversity affected by fragmentation locally, or are well suited for this purpose. The limitations of the Brokenlande green bridge relate to the design of the surrounding area and the Connection to the hinterland. In addition, a narrow remaining wooded barrier at the Kiebitzholm green bridge hinders the particularly important supra-regional connection of the heath ecosystems in that area. The underpass at Stolpe is currently not used sufficiently by heliophilous and xerophilous small animals, mainly due to its dimensions, and it is not possible to predict with certainty whether further optimisation of the habitats in the access area will result in a sufficient improvement. Current deficits typical of other fauna passages are e. g.:

• During construction, particularly in the access areas, nutrient-rich Substrate was used too often and, in some cases, tall grasses were sown. Both hinder sustainable connectivity function for endangered heathland species,
• Invasive plant species were unintentionally introduced, and in one case, Robinia pseudoacacia trees were intentionally planted. If these species spread, the habitat function and, in turn, the connectivity function for animal species may be endangered,
• In some cases, stepping stone biotopes in the surrounding area, which are essential for the connectivity function, are not being preserved,
• At Brokenlande, a public rest area is located too close to the crossing structure or is not yet sufficiently screened. Human disturbance and litter reduce its functionality, while food waste supports high rat populations that may discourage other species from using the crossing.

To address these and other design and management deficiencies from the outset, the study proposes planning indicators and targeted research approaches aimed at improving the effectiveness of wildlife crossing structures.

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