Die Untersuchung der Funktion des rechten dorsolateralen präfrontalen Cortex bei der Nutzung der Regulationsstrategie „Reappraisal“ mittels des neuromodulatorischen Ansatzes der anodalen transkraniellen Gleichstromstimulation

Das Ziel der vorliegenden Studie war die Untersuchung der Auswirkungen einer gesteigerten Exzitabilität im rechten dorsolateralen präfrontalen Cortex als Teil des neuronalen Emotionsregulationsnetzwerks auf die Anwendung von Reappraisal. Der rDPLFC gilt als Bestandteil eines Netzwerkes zur Emotionsregulation. Jedoch wurden bisher meist nur korrelative Zusammenhänge untersucht. Anodale transkranielle Gleichstromstimulation stellt ein etabliertes neuromodulatorisches Verfahren dar, mit dessen Hilfe die Exzitabilität von Neuronenpopulationen beeinflusst werden kann. Damit bietet sich die Möglichkeit, durch experimentelle Beeinflussung neuronaler Aktivierung, kausale Zusammenhänge zu untersuchen. In der vorliegenden Studie bearbeiteten 23 gesunde ProbandInnen nach einem erfolgreichen Screening in jeweils zwei Sitzungen eine Emotionsregulationsaufgabe, während sie entweder eine Schein- oder eine Verum-Stimulation erhielten. Die Stimulation erfolgte über einen Zeitraum von 20 Minuten mit einer Intensität von 1,5 mA und an einer Elektrodenposition oberhalb des rDLPFC. Für die Emotionsregulationsaufgabe wurden neutrale und negative Bildstimuli aus einem standardisierten Bilderset gewählt. Die ProbandInnen wurden instruiert, diese Bilder entweder nur zu betrachten oder sie aktiv umzudeuten, um die ausgelösten Emotionen herunter zu regulieren. Anschließend gaben sie auf einer Valenz-Ratingskala ihre Gefühle nach Betrachten des Bildes an. Es wurde ein positiveres subjektives emotionales Erleben unter einer Exzitabilitätssteigerung des rDLPFC während der Anwendung von Reappraisal auf negatives Bildmaterial erwartet. Entgegen unserer Erwartung zeigte sich kein Effekt einer Modulation der Exzitabilität via tDCS auf die Valenzratings der ProbandInnen. Die Rolle des DLPFC im Netzwerk der Emotionsregulation und insbesondere im Prozess des Reappraisals, das individuelle Ansprechen auf tDCS, und das verwendete Emotionsregulationsparadigma wurden als potenzielle Einflussfaktoren diskutiert, die ein Ausbleiben der erwarteten Effekte in der vorliegenden Studie erklären könnten. Es erfolgte ein Ausblick für zukünftige wissenschaftliche Fragestellungen zur Untersuchung der Rolle des DLPFC für Emotionsregulationsstrategien. 

Rights

Use and reproduction:


CC BY 4.0

Please note that individual components of the publication may be subject to other licensing or copyright conditions.

Cite

Citation style:
Could not load citation form.