Untersuchung der klinischen Wertigkeit kontrastmittelfreier MRT-Techniken zur Beurteilung der aortalen Elastizität bei Menschen mit abgelaufener Riesenzellarteriitis
Patient:innen mit Riesenzellarteriitis (RZA) unterliegen einem erhöhten Risiko, ein Aneurysma oder eine Dissektion der Aorta thoracica zu entwickeln. Ziel unserer Studie war es, zu untersuchen, ob die Quantifizierung der Distensibilität, der Pulswellengeschwindigkeit (PWV), der axialen Wandschubspannung (WSSax) und des axialen Oszillationsindexes (OSIax) der Aorta thoracica mittels spezieller, kontrastmittelfreier MRT-Techniken die Erfassung morphologischer und funktioneller Veränderungen in einem prädominant kranialen RZA-Kollektiv ermöglicht. 10 RZA-Patient:innen (mittleres Alter 75 Jahre) und 36 gesunde Kontrollen (engl. healthy volunteers, HVs; mittleres Alter 64 Jahre) wurden mit einer 2D-Cine-bSSFP-Sequenz zur Bestimmung der Distensibilität und des Diameters untersucht. 10 RZA-Patient:innen und 35 HVs (mittleres Alter 63,46 ± 7,80 Jahre) wurden mit einer 4D-Phasenkontrast-Fluss-MRT (4D-PC-MRT) zur Bestimmung von PWV, WSSax und OSIax untersucht. Zielsegmente waren die aszendierende Aorta (AAo), der Aortenbogen (AArch) und die deszendierende Aorta (DAo). Die Distensibilität war bei HVs im AArch (p = 0,039) und im DAo (p = 0,004) signifikant höher als in der AAo, nicht aber bei RZA-Erkrankten. Im Vergleich zu HVs war die Distensibilität bei RZA-Erkrankten im AArch signifikant niedriger (0,89 vs. 2,15, p = 0,035), in der AAo zeigte sich ein entsprechender Trend (0,91 vs. 1,63, p = 0,081). Das Alter war ein zusätzlicher Prädiktor für die Versteifung der Aorta in der AAo (p=0,029) und DAo (p=0,001) der HVs. Bei Patient:innen mit RZA nahm der Diameter aller Aortensegmente im Vergleich zu einer MRT-Voruntersuchung im zeitlichen Verlauf (Median: 23 Monate) überdurchschnittlich stark zu (AAo 1,04 mm/Jahr, AArch 1,12 mm/Jahr, DAo 0,95 mm/Jahr). Es zeigten sich keine Unterschiede der WSSax, des OSIax und der PWV zwischen den Studienkollektiven. Die Unterschiede in der Distensibiliät der thorakalen Aorta im prädominant kranialen RZA-Kollektiv im Vergleich zu gesunden Proband:innen sowie die abnorme Zunahme des Gefäßdurchmessers können auf eine postinflammatorische Schwäche der thorakalen Aortenwand hinweisen. Sie lassen vermuten, dass diese Technik ein prädiktiver Marker für die Entwicklung eines thorakalen Aneurysmas bei Patient:innen mit RZA sein könnte.
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