Der Phänotyp von Clusterkopfschmerzen: Komplexität der klinischen Merkmale, des Krankheitsverlaufs und der Komorbidität vor stationärer Behandlung
Methodik: Analysiert wurden 207 Clusterkopfschmerzpatienten, die stationär nach ambulanter therapierefraktärer Behandlung in einem tertiären Schmerzzentrum von 2018 bis 2020 behandelt wurden. In der retrospektiven Kohortenstudie wurde die Komplexität des Phänotyps, der Krankheitsverlauf, die Komplikationen sowie die Komorbiditäten des Clusterkopfschmerzes standardisiert erfasst.
Ergebnis: Die Patienten weisen ein mittleres Lebensalter von 48 Jahren auf. Das Geschlechterverhältnis Männer:Frauen entspricht 1,6:1. Bei 98,1 % der Menschen dauert eine Clusterattacke 15-180 Minuten. 98,6 % empfinden den Clusterkopfschmerz mit einer starken (14,5 %) bis sehr starken (81,1 %) Intensität. 82,6 % der Clusterpatienten leiden unter 1-6 Attacken/Tag. 31,4 % verzeichnen einen Dauerkopfschmerz im Clusterareal. Die Schmerzqualität wird 80,2 % als stechend und 50,2 % bohrend empfunden. Als Begleitsymptome zeigen sich bei 93,2 % Schlafstörungen, 85,3 % innere Unruhe, 82,1 % Tränenfluss, 75,8 % Agitiertheit, 70,5 % Augenrötung und 62,8 % behinderte Nasenatmung, aber auch zusätzlich psychisch belastende Symptome. Der MIDAS-Score betrug bei 95 % der Patienten den Grad 4. 79,3 % der Menschen mit einem Clusterkopfschmerz berichten im Beck-Depressions-Inventar II über Symptome, die einer Depression zuzuordnen sind. Die Analyse des WHODAS 2.0 ergibt, dass 92,7 % der Clusterkopfschmerzpatienten in ihrer Gesundheit und ihrer Funktionsfähigkeit stark eingeschränkt sind und ein hohes Maß an Beeinträchtigungen aufweisen. 40,5 % der Menschen mit Clusterkopfschmerz entwickeln Suizidgedanken aufgrund dieser Erkrankung und 1,8 % würden sich suizidieren, wenn sie die Gelegenheit dazu hätten.
Schlussfolgerung: Die Mehrzahl der Patienten mit einem ambulant therapierefraktären Clusterkopfschmerz weisen einen ausgeprägten Symptomkomplex auf, der weit über die rein diagnostischen Kriterien der ICHD-3 hinausgehen. Betroffene leiden besonders schwer an den psychischen Begleitsymptomen und den psychosozialen Auswirkungen von Clusterkopfschmerzen. Die Variabilität des Phänotyps muss berücksichtigt werden, um eine schnelle und gezielte Diagnose sowie die Einleitung einer wirksamen Therapie zu ermöglichen.
Preview
Rights
Use and reproduction:
Please note that individual components of the publication may be subject to other licensing or copyright conditions.