Die Wirkung von Fucoidanen auf Wachstum und Differenzierung von Neuroblastomzellen
Ein therapeutischer Nutzen von Fucoidanen in der Behandlung verschiedener Tumorentitäten wurde bereits mehrfach beobachtet. In der Behandlung des Neuroblastoms blieben jedoch positive Ergebnisse bisher aus. In der vorliegenden Arbeit konnte bei den untersuchten Fucoidanen eine antiproliferative Wirkung und Reduktion der Viabilität auf Neuroblastomzellen nachgewiesen werden, die ohne erkennbare Zytotoxizität auftrat und vermutlich hauptsächlich auf extrazellulären Angriffspunkten beruhte. Im Fokus standen dabei eine beeinträchtigte Freisetzung und Funktion der Wachstumsfaktoren IGF2, HGF und VEGF, die zu einer reduzierten Aktivität der PI3K/Akt- und ERK1/2-Signalwege führten, welche Überlebenssignale und eine Anregung der Zellproliferation vermitteln. Zusätzlich gab es aber auch Hinweise auf eine serumunabhängige Wirkung, die noch weiterer Forschung bedarf. Die Ko-Stimulation mit Retinsäure erwies sich in vitro als vielversprechend, unter der bei den SH-SY5Y-Zellen die vorbekannte Retinsäure-Resistenz nicht mehr zu beobachten war und sich eine gewünschte deutliche Verlangsamung des Wachstums einstellte. Als vielversprechender Behandlungsansatz zeigte sich auch die Ko-Stimulation von Wachstumsfaktorrezeptor-Inhibitoren mit Saccharina latissima. Die hierdurch zusätzliche Hemmung der endogenen Wachstumsfaktorfreisetzung reduzierte die Viabilität der untersuchten Neuroblastomzellen stärker als die Gabe der Einzelsubstanzen. Bei einem Vergleich der untersuchten Fucoidane, stellte sich Saccharina latissima gegenüber Fucus vesiculosus auf Grund der überlegeneren Hemmung endogen freigesetzter Wachstumsfaktoren von HGF, IGF2 und VEGF und tendenziell ausgeprägteren Reduktion der Viabilität als geeigneter heraus. Zusätzlich war eine Degradierung auf mind. 41 kDa bei Saccharina latissima ohne Aufhebung der Wirkung möglich, welche mit deutlich besseren biopharmazeutischen Eigenschaften einhergehen könnte. Zusammenfassend erwies sich vor allem Saccharina latissima als effektiv bei der Behandlung der Neuroblastomzellen Kelly und SH-SY5Y. Auf Grund der bekannten fehlenden Zytotoxizität, guten Verträglichkeit und geringem Interaktionspotenzial könnte es sich vor allem als Begleittherapeutikum eignen.
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